Millimeter fehlen zum Punktgewinn

3. LIGA Unterkante der Latte verhindert Bruchköbels Ausgleich in Schlussminute

VON ROBERT GIESE

Handball – Zuweilen entscheiden im Handball Kleinigkeiten über Sieg und Niederlage, Meisterschaft oder Klassenerhalt – diese Erfahrung musste auch die SG Bruchköbel gestern Abend machen, als beim Heimspiel gegen die HG Oftersheim/Schwetzingen die Latte des gegnerischen Gehäuses einem möglichen Punktgewinn im Weg stand. Im Kampf um den Klassenerhalt in der 3. Liga Ost haben die Bruchköbeler durch die bittere 23:24 (12:15)-Niederlage die Chance verpasst, ihre Ausgangsposition zu verbessern.

Turbulent und dramatisch verlief die Schlussphase zwischen SGB und den Gästen aus Oftersheim, die kurz vor Schluss die Führung erobert hatten. Nun, knapp eine Minute vor dem Abpfiff, stand Milos Kreckovic an der Siebenmeterlinie. Der Bruchköbeler Linksaußen, dessen rechtes Knie wegen einer Blessur noch dick bandagiert war, hatte zuvor bereits drei Strafwürfe sicher verwandelt. Auch diesmal überwand er mit seinem Abschluss Gästetorwart Marius Gabel, dem Ausgleich stand aber die Latte im Weg: Kreckovics Aufsetzer landete nämlich an der Unterkante selbiger und prallte zum Entsetzen des Linkshänders wieder zurück ins Feld, statt in den Maschen einzuschlagen. Zwar hatten die Bruchköbeler 30 Sekunden später nochmal die Chance zum Ausgleich, leisteten sich aber einen Fehlpass und konnten auch diese Möglichkeit nicht nutzen.

Diese dramatischen Schlussminuten waren der emotionale Höhepunkt einer Partie, die eigentlich immer ausgeglichen verlief. In der Anfangsviertelstunde waren beide Teams auf Augenhöhe, allerdings eher gleich schwach als gleich stark: Hüben wie drüben häuften sich schon früh technische Fehler und Unkonzentriertheiten, sodass die Partie zerfahren war. Oftersheim variierte in der Defensive, stand nicht mehr auf 6:0, sondern ging erst Jonas Ulshöfer offensiver an, später dann immer den Spieler, der bei den Bruchköbelern gerade auf Rückraum Mitte auflief.

Diese Störmanöver brachten den gewünschten Erfolg, denn nun leisteten sich die Hausherren mehr Fehler als die HG, was jene nutzte, sich den ersten nennenswerten Vorsprung zu erarbeiten und sich auf zwei Tore abzusetzen. Die SGB, bei der Kreisläufer Max Panther fehlte, zeigte sich engagiert, konnte die Leistung aus dem Derby gegen Hanau aber zunächst nicht bestätigen. Obwohl Kreckovic, der mit acht Toren ein starkes Comeback feierte, kurz vor dem Seitenwechsel sogar aus dem Rückraum traf, ging sein Team mit einem 12:15-Rückstand in die Halbzeitpause.

Die Kabinenansprache von Tegaday Ramos-Nuez musste es in sich gehabt haben, denn in den zweiten Durchgang starteten die Gastgeber wie die Feuerwehr und machten aus einem Drei-Tore-Rückstand innerhalb von gut zehn Minuten eine Drei-Tore-Führung. Der einzige Gästetreffer in dieser Phase war ebenso spektakulär wie – aus Bruchköbeler Sicht – unglücklich: Ein Kempa-Trick der HG landete nur am Pfosten, prallte von dort aus aber direkt in die Hände von Lino Messerschmidt, der aus der Nahdistanz wenig Mühe hatte, den Ball zu versenken.

Um den Rückstand aufzuholen, agierten die Gäste in der Schlussviertelstunde wiederholt mit einem siebten Feldspieler; eine Maßnahme, die fruchtete, denn der Vorsprung der SGB schmolz, kurz vor Schluss geriet die SGB erstmals wieder ins Hintertreffen. Obwohl die Hausherren noch einmal alles versuchten, standen einem Punktgewinn letztlich aber nicht nur das Aluminium, sondern auch die eigene Unkonzentriertheit im Weg, denn trotz zweier guter Möglichkeiten zum Ausgleich konnte Bruchköbel diese Chancen jeweils nicht nutzen.

„Die Taktik von Oftersheim ist aufgegangen, der siebte Feldspieler hat uns das Genick gebrochen“, meinte Ulshöfer. Der Bruchköbeler Kapitän war bedient: „Vergangene Woche hatten wir mit dem DerbySieg einen Höhepunkt, und nun folgt eine herbe Pleite. Das heißt für uns, dass wir jetzt jedes Spiel gewinnen müssen. Ganz egal, ob wir irgendwo hinfahren oder welches Team da zu uns kommt.“

SG Bruchköbel: Mike Bätz, Marius Sulzbach; Stephan Denhard, Sebastian Dietrich (4), Aydin Günes (1), Joshua Kraus, Milos Kreckovic (8/3), Edi Pjanic, Bastian Schwarz (2), Jonas Ulshöfer (3), Dennis Weit (4), Sergej Zutic (1) – Schiedsrichter: Kijowsky/ Strüder – Siebenmeter: SGB 4/3, HG 2/1 – Zeitstrafen: SGB 2, HG 7 – Besonderes Vorkommnis: Rote Karte für Niklas Krämer (58., HG, dritte Zeitstrafe) – Zuschauer: 350

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