Fast wie Weihnachten in der Dreispitzhalle

Sogar die Kleinsten hatten es gewusst: Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier, dann steht das Handball-Highlight vor der Tür! Und wer am Abend vor Heiligabend den Weg in die Dreispitzhalle nicht gefunden hat, der hat nicht nur ein Handballspiel verpasst, sondern die beste Saisonleistung unserer Mannschaft und darüber hinaus von der 1. bis zur letzten Minute eine fantastische Handballatmosphäre. Das letztendliche Endergenis klingt zwar danach, als hätten sich hier zwei Mannschaften nicht mehr weh tun wollen kurz vorm Fest, wer jedoch live dabei war, kann bestätigen, dass ein Handballspiel mit angezogener Handbremse  niemals solch eine Intensität gehabt hätte. Schön war übrigens, dass sich alle Handballexperten nach dem Spiel einig waren, wer an diesem Tage glücklicher sein durfte mit dem Punktgewinn. Hätte vor dem Spiel ein jeder auf SGB-Seite sich über ein Remis gefreut, so war beim Schlusspfiff dann zunächst erstmal eine gewisse Enttäuschung, weil man tatsächlich gerade einen Punkt verloren hatte. Auch Eisenach-Trainerlegende Hasanefendić sagte in der Pressekonferenz: “Ich weiß garnicht, wer heute wem einen Punkt zu Weihnachten geschenkt hat, ich glaube sogar eher Bruchköbel uns.” Und auch dieser Mann, der auf über ein halbes Jahrhundert internationale Handballerfahrung zurückblicken kann, war begeistert von der Atmosphäre in der Dreispitzhalle. 

Als das Spiel begann, wurde jedem Zuschauer sofort klar, im Boxen wäre so ein Duell verboten. Das Team des ThSV Eisenach war optisch der Heimmannschaft in jeder Beziehung überlegen. Körpergröße und Kampfgewicht der Spieler sahen nicht so aus, als würden beide Teams in der gleichen Liga antreten. Und auch der Tabellenstand und die erfahrenen Erst-und Zweitligaspieler auf Seiten der Thüringer sprachen für ein einseitiges Spiel. Doch SGB-Trainer Ramos Nuez hat seinem Team die klare Anweisung im Training gegeben “auch im Spiel gegen Eisenach spielen wir voll auf Sieg!”. Er hat auf jeden Fall die richtigen Worte gefunden, denn seine Jungs und er selbst legten vom Anpfiff an los “wie die Feuerwehr.” Beim Stand von 4:0 war klar, der Favorit hat sich wie im Hinspiel in Eisenach völlig den Schneid abkaufen lassen und kam mit der offensiven Abwehr der Hausherren nicht zurecht. Sie brachten keinerlei Struktur in ihr Angriffsspiel und Spielmacher Schliedermann oder sichere Torschützen wie Luther oder Mürköster blieben bis zum Ende ohne Torerfolg. Anders der SGB-Express, zunächst machte Bastian Schwarz und später dann Dennis Weit ein hervorragendes Spiel im Rückraum. Ihnen kam zugute, dass Eisenach die beiden Bruchköbeler Spielmacher Ulshöfer und Ramos Nuez, die zumeist gemeinsam auf der Platte standen, nicht in den Griff bekamen. Beide wurden in offene Manndeckung genommen, so gab es automatisch mehr Platz für das Bruchköbeler Angriffsspiel. Doch auch das Umschaltspiel klappte diesmal, Ballgewinne der offensiven Abwehr konnten durch die schnellen Außen Aydin Günes und Miloš Krečković in Tore umgewandelt werden. Die 1. Hälfte ging letztendlich mit 17:14 mehr als verdient an die Hausherren. Die Frage war nun, ob das hohe Tempo irgendwann Tribut zollt? Immerhin musste die SGB zwei Spieler (Sulzbach und Denhard) verletzungsbedingt durch Spieler aus der 2. Mannschaft ersetzen, Fatih Günes feierte so sein Drittliga-Debut und Nils Prager saß auf der Bank bereit, um im Notfall für Mike Bätz im Tor einzuspringen. Dies war jedoch nicht nötig, denn Mike machte nun zum wiederholten Mal das Spiel seines Lebens. Er brachte Gegner zur Verzweiflung und Fans in Verzückung. Höhepunkt seiner Leistung war die mentale Stärke, als er nicht nur einen 7m parieren konnte, sondern den Ball dabei auch noch festhielt, Höchststrafe für einen Strafwurfschützen! Trotzdem kam der Gast in Halbzeit 2 immer gefährlicher ins Spiel, unterstützt durch die Tatsache, dass Bruchköbel öfter in Unterzahl auf dem Platz stand als Eisenach. Beim 21:21 konnten die Eisenmänner von der Wartburg erstmals ausgleichen, doch der unbändige Kampfgeist der Männer in gelb-schwarz brachte Bruchköbel wieder in Front, man konnte sogar in Unterzahl Tore erzielen. In den Schlussminuten hielt es dann keinen Zuschauer mehr auf seinem Platz. Unterbrochen durch 3 Timeouts stand das Spiel auf Messers Schneide. Beim 27:27 hätte Eisenach zum ersten Mal überhaupt in Führung gehen können. Doch der Spielverlauf wurde zum Glück nicht auf den Kopf gestellt. Der unermüdliche Bastian Schwarz traf sogar noch zum 28:27, bekam aber im Gegenzug seine 3. Zeitstrafe und somit Rot. Nach dem letzten Timeout Eisenachs waren nur noch 7 Sekunden zu spielen, vielleicht hätte Teammanager Ante Vuko sich jetzt selbst einwechseln sollen, so kam es leider, dass der beste Werfer des Tages (10 Tore) mit einem Gewaltwurf noch zum Unentschieden traf, und zwar buchstäblich in letzter Sekunde. Schön das Alexander Saul danach den untröstlichen Mike Bätz im SGB-Tor aufsuchte, um ihm trotz des gerade verlorenen Punktes zur tollen Leistung zu gratulieren. Das Remis bedeutet für den Spitzenreiter, dass sie mit 8 Punkten Vorsprung ins neue Jahr starten, für Bruchköbel bleibt es dabei, man startet Ende Januar in Leutershausen von einem Abstiegsplatz aus in die entscheidenden letzten 13 Endspiele der Saison, allerdings nun punktgleich mit Coburg II, der Mannschaft auf dem 1. Nichtabstiegsplatz.

Zum Schluss sei noch einmal betont, dass die rund 800 Handballfans trotz aller Dramatik ein faires Spiel miterleben durften. Das Schlusswort soll dem Gästetrainer gehören, der in einem Interview  in der “Handball World” auf die Frage, was er sich fürs neue Jahr wünsche, folgendermaßen antwortete: “Frieden für alle Menschen auf der Erde. Hungersnöte, vielfach für Kinder, müssen endlich ein Ende haben. Schreckliche Terroranschläge müssen verhindert werden. Der Klimawandel muss ernst genommen werden. Von allen Ländern! Die Unruhen in Frankreich, gemeinsam mit Deutschland das Herzstück Europas, müssen beendet werden. Unser aller Leben ist so kurz. Es braucht eigentlich nur wenig, um glücklich zu sein. Und immer wieder zerstört sich die Menschheit dieses Glück selbst. Was ich mir persönlich wünsche! Vor allem Gesundheit. Für meine Familie und mich. Sportlich? Den eingeschlagenen Weg mit dem ThSV Eisenach fortsetzen,  Deutschland wünsche ich eine gute WM im eigenen Haus. (Quelle: https://www.handball-world.news/o.red.r/news-1-1-62-110367.html) Soweit Sead Hasanefendić.

Frohe Weihnachten allen SGB-Fans, vielen Dank für die Unterstützung im Jahr 2018, einen guten Rutsch und auf ein baldiges Wiedersehen 2019!

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