Gelungenes Abenteuer

3. Liga: SG Bruchköbel jubelt nach wechselhafter Premierensaison – Umbruch steht bevor

Von Robert Giese

HANDBALL  Als Aufsteiger in die 3. Liga Ost hat die SG Bruchköbel in der abgelaufenen Saison ein Wechselbad der Gefühle durchlebt: Nach dem Freudentaumel über den Aufstieg und ordentlichem Saisonstart folgte rasch ein Einbruch, noch in der Hinrunde kamen ein Trainerwechsel und die schwere Verletzung des Kapitäns Maximilian Kraushaar hinzu. Die Rückrunde war schließlich trotz größtenteils guter Ergebnisse stets vom Bangen um den Klassenerhalt geprägt, den die Bruchköbeler erst am letzten Spieltag unter Dach und Fach brachten – und damit für einen positiven Schlusspunkt einer wechselhaften Saison sorgten.

In das Abenteuer 3. Liga war die SGB nach rund einem Vierteljahrhundert in der Oberliga voller Elan gegangen und hatte dabei gerade auf den Schlüsselpositionen einige Neuzugänge an Bord: Marius Sulzbach sollte das Tor vernageln, Yannik Woiwod am Kreis, Edi Pjanic und Jonas Ulshöfer aus dem Rückraum für Torgefahr sorgen. Eine Schlüsselrolle sollte Maximilian Kraushaar zukommen, der als Kapitän nicht nur für mehr Tore aus der Distanz, sondern auch für Stabilität in der Abwehr sorgen sollte.

Der Saisonstart verlief für die auf mehreren Positionen veränderten Bruchköbeler durchaus vielversprechend: Der Aufsteiger punktete zuverlässig und begeisterte mit Derby-Siegen in Gelnhausen und zu Hause gegen Hanau die Fans. Nach sieben Punkten aus den ersten sieben Spielen schien es aber so, als hätten die Bruchköbeler ihr Pulver verschossen, denn die Kontrahenten bestraften die zu häufig nicht mit letzter Konsequenz spielende SGB fortan immer häufiger für ihre Nachlässigkeiten. Meistertrainer Oliver Hubbert gelang es nicht, diesen Schalter umzulegen, weshalb sich Verein und Coach Mitte November einvernehmlich trennten, nachdem der Aufsteiger zuvor fünf Niederlagen in Folge hatte hinnehmen müssen.

Mit einem knappen Heimsieg gegen Coburg feierte Tim Beckmann, der neue Mann auf der Trainerbank, einen gelungenen Einstand und konnte bis zur Winterpause zumindest noch drei Zähler sammeln. Getrübt wurde dieser Aufwärtstrend jedoch durch die schwere Knieverletzung von Maximilian Kraushaar, die für den Rückraumspieler das Karriereende bedeutete; auch für die Bruchköbeler war die Verletzung ihres Schlüsselspielers eine wahre Hiobsbotschaft. Beckmann machte aus der Not eine Tugend und setzte verstärkt darauf, die beiden spielstarken Rückraumspieler Tegaday Ramos-Nuez und Jonas Ulshöfer gemeinsam auflaufen zu lassen. „Generell haben wir im Angriffsspiel viele Dinge neu durchdacht“, so Beckmann, der nach dem Ausfall von Kraushaar zwangsläufig mehr auf das Eins-gegen-Eins-Spiel setzen musste.

Damit hatten die Bruchköbeler in der Rückrunde vor allem zu Hause große Erfolge und konnten sich neben dem Heimpublikum – im Schnitt strömten rund 600 Zuschauer in die Dreispitzhalle – auch auf ihre Neuzugänge verlassen: Rechtsaußen Milos Kreckovic entpuppte sich schon bald als Dauerläufer und zuverlässiger Vollstrecker, der erst in der Rückrunde zum Team gestoßene Daniel Zourek stattete die SGB mit dringend benötigter Durchschlagskraft aus der zweiten Reihe aus. „Er ist das Paradebeispiel eines Shooters und hat bei uns eine Lücke gefüllt“, so Beckmann über den Rückraum-Hünen, Kreckovic sei ebenfalls „eine gute Verstärkung“ gewesen und habe „eine sehr professionelle Einstellung“ an den Tag gelegt.

Doch obwohl die Bruchköbeler in der Rückrunde fleißig Punkte sammelten, kamen sie zunächst nicht so recht vom Fleck, denn auch die Konkurrenz im Tabellenkeller steigerte sich im neuen Jahr. Ab Mitte März legte die SGB jedoch eine ganz starke Serie hin und gewann viermal in Folge, wodurch sich die Bruchköbeler endlich etwas Luft im Abstiegskampf verschaffen konnten. Für Beckmann fiel das Schlüsselspiel in genau diese Phase: „Der Sieg zu Hause gegen Bernburg in allerletzter Sekunde war für mich der entscheidende Moment. Da haben uns die Fans unglaublich geholfen“, erinnert sich Beckmann an die lautstarke Unterstützung von den Rängen mit etlichen Trommeln. Trotz dieser Siegesserie wurde es im Saisonendspurt aber noch einmal richtig spannend, denn die Bruchköbeler waren selbst am letzten Spieltag noch nicht gerettet. Letztlich behielt der Aufsteiger aber die Nerven, sammelte die noch nötigen Punkte für den Klassenerhalt und beschenkte sich selbst mit einem weiteren Jahr in der 3. Liga. „Ich bin unglaublich stolz auf das Team, die Jungs haben immer voll mitgezogen und untereinander herrscht ein sensationeller Zusammenhalt“, fiel Beckmann nach Saisonende ein Stein vom Herzen.

Für die nächste Saison steht den Bruchköbelern allerdings ein erneuter Umbruch bevor, denn angesichts von rund einem halben Dutzend Abgängen benötigt die SGB erneut einige Neuzugänge – und zwar auch auf der Trainerbank: Beckmann muss nämlich aus gesundheitlichen Gründen eine Pause vom Handball einlegen.

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