11/17 Interview mit Tim Beckmann

Zufälle gibt’s, die gibt’s einfach! Da kündigt der langjährige Drittligatrainer im Februar diesen Jahres bei der MSG Groß-Umstadt vor dem richtungsweisenden Kellerduell gegen den HSC Coburg II seinen Rücktritt zum Saisonende an, und erscheint wann wieder als Trainer in der 3. Liga? Richtig, vor einem weiteren richtungsweisenden Kellerduell gegen genau dieses Coburg. Und wo erscheint dieser Trainer mit reichlich Drittliga-Erfahrung? Bei uns auf der Trainerbank! Fehlt eigentlich nur noch ihm viel Glück zu wünschen! Ach ja, und sein Name: TIM BECKMANN.
OH: Hallo Tim, Willkommen (zurück?) bei der SG Bruchköbel. Wir möchten die Hallenzeitung zu deinem 1. Spiel als Trainer nutzen, um dich kurz unseren Fans vorzustellen. Zunächst zu dir persönlich, wo wohnst du und was machst du beruflich?
TB: Danke für die liebe Begrüßung. Ich bin 33 Jahre alt, wohne mit meiner Familie in Frankfurt und bin Lehrer für die Fächer Sport und Politik&Wirtschaft, arbeite aber auch noch an der Universität Frankfurt als Dozent.
OH: Wo und wann hast du mit Handballspielen begonnen, was waren die wichtigsten Stationen deiner aktiven Karriere?
TB: Mein eigentlicher Heimatverein ist der TV Bergen-Enkheim, wo ich bis zur CJugend gespielt habe. Aber schon früh hat es mich dann zu meinem „zweiten Heimatverein“ nach Groß-Umstadt gezogen. Ich bin und bleibe beiden Vereinen weiterhin sehr verbunden. Im Aktivenbereich habe ich bei der MSG Groß-Bieberau/Modau (2. Bundesliga), der SG Bruchköbel (Oberliga) und der MSG Groß-Umstadt (3. Liga) gespielt, bis ich dann mit 25 Jahren komplett auf die Trainerbank gewechselt bin.
OH: Dann hast du ja schon enorme Erfahrung als Trainer! Was sind hier deine größten Erfolge?
TB: Meine größten Erfolge sind in der Jugend 2x die Südwestdeutsche-Meisterschaft gewonnen und im Aktivenbereich 5x die 3. Liga gehalten zu haben. Letzteres ist objektiv mit Sicherheit nicht mit einer Meisterschaft zu vergleichen, für mich war es aber immer ein großer Erfolg.
OH: Wie würdest du ganz kurz deine Handball-Philosophie beschreiben. Der Sport ist ständig im Wandel begriffen, auf welche „Handball-Tugenden“ legst du den größten Stellenwert?
TB: Ich denke, dass ich die eine Philosophie nicht habe. Das Konzept eines Trainers muss immer zur Mannschaft, dem Verein und dem Gesamtpaket passen. Es müssen sich alle Seiten aufeinander einlassen und das Ergebnis ist die Tabelle am Saisonende, in Relation zu den gesteckten Zielen. Um mit meiner Mannschaft jetzt aber in die Erfolgsspur zurückzukommen muss uns allen klar sein, dass „Opfer“ zu bringen sind. Nur wer es schafft individuell an die Grenzen seiner Möglichkeiten zu gehen wird auch dem Team entsprechend weiterhelfen können. Unsere Mannschaft ist zweifelsfrei ein funktionierendes Kollektiv, welches aber von Einzelpersonen getragen wird. Die Zeit für Diskussionen ist vorbei, die Spieler müssen auf der Platte handeln. Um hier die Leistung entfalten zu können brauchen wir Freude, einen konkreten Plan und viel Mut. Daran arbeiten wir seit vergangenem Montag.
OH: Was genau weißt du schon von deinem neuen Team? Alle Beobachter sind sich einig, dass es im Moment mehr eine Kopfsache ist, warum die Ergebnisse nicht stimmen, und der Kader eigentlich stark genug ist für die 3. Liga. Wie siehst du das?
TB: Auf der handballerischen Ebene weiß ich von meinem Team Recht viel. Ich habe mir nahezu alle vergangenen Partien auf Video angesehen und entsprechend analysiert. Das war Grundlage für die Entscheidung die Mannschaft interimsweise in dieser schweren Phase zu übernehmen. Würde ich das Potenzial für die 3. Liga nicht sehen, dann hätte dieses Interview nie stattgefunden. Mit Sicherheit müssen die Spieler nach vielen Rückschlägen die Köpfe wieder heben. Dies geht nur mit entsprechendem Selbstvertrauen. Hierfür sind die Spieler primär selbst verantwortlich, ich habe als Trainer den Rahmen zu schaffen. Ich arbeite mit den Jungs eng, vertrauensvoll und offen zusammen. Auch wenn wir bis zur Partie gegen Coburg nicht viel Zeit haben ist es meine Aufgabe den Plan, die Motivation und die Perspektive vorzuleben. Ob der Kader die Tauglichkeit für die 3. Liga hat, werden wir nach dem letzten Spieltag der Saison sehen. Hier wird abgerechnet und eines steht vorher fest: Potenziale, was irgendjemand zu leisten im Stande gewesen wäre, usw. zählt nicht. Die Gründe für schlechte Leistungen sind für mich als Trainer wichtig, interessieren aber unsere Gegner und die Tabelle nicht. Ich bin der festen Überzeugung den „Bock mit meiner Mannschaft umzustoßen.“ Wir werden unsere Baustellen bearbeiten, den Kopf frei machen und mit Freude so erfolgreich sein, dass die SG Bruchköbel auch im nächsten Jahr 3. Liga spielt. Das ist mein persönliches Ziel, meine Überzeugung und aktuell die einzige Option.
OH: Du hast tatsächlich recht, ich führe wirklich keine Interviews mit Leuten, die das Potenzial unseres Teams nicht sehen! Im Ernst, ich wünsche dir viel Glück und den von dir angesprochenen Spaß bei deiner neuen Aufgabe als Trainer der SG Bruchköbel!!!

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