SG Bruchköbel – HSG Hanau

Spielbericht HA: SG Bruchköbel – HSG Hanau

Bruchköbel spielt sich in einen Rausch!

3. Liga: Packendes Derby mit „Hexenkessel“ – SGB-Coach Hubbert: „Bis zur letzten Minute Willen und Kampfgeist gezeigt“

Von Robert Giese

HANDBALL ° Über eineinhalb Jahre haben sich die Fans auf  dieses Spiel warten müssen, aber die Geduld hat sich gelohnt: Die SG Bruchköbel und die HSG Hanau lieferten sich ein ungemein packendes Drittliga-Derby, bei dem die Emotionen immer wieder hochkochten. Am Ende einer lange umkämpften Partie setzten sich die Gastgeber überraschend deutlich mit 32:24 (10:10) durch (wir berichteten).

In der bis auf den letzten Platz besetzten Dreispitzhalle sangen und trommelten sich die insgesamt 1000 Zuschauer schon lange vor dem Anpfiff warm und sorgten so vom Start weg für beste Derbyatmosphäre. Nur von der Bank aus konnte das allerdings Iteb Bouali verfolgen, denn anders als Edi Pjanic und Jonas Heuer wurde der Bruchköbeler Schlussmann nicht rechtzeitig fit fürs Derby. Sein Schicksal teilte HSG—Spielmacher Philipp Reuter der die Partie ebenfalls nur vom Spielfeldrand aus verfolgen konnte.

Reuter sah zu Beginn, wie sein Team gleich seine Stärken ausspielte: Die Hanauer Abwehr stand so stabil, dass sie die Hausherren schon beim ersten Angriff ins Zeitspiel zwang, nach dem ungenauen Abschluss der Bruchköbeler den Ball schnell nach vorne spielte und über die zweite Welle zum Führungstor traf.

Weil die Schiedsrichter bereits für kleine Fouls Zeitstrafen verhängten, hagelte es bereits in den Anfangsminuten Hinausstellungen – vor allem gegen die SGB. Die Überzahlsituationen konnten die Hanauer jedoch nicht richtig nutzen. Zudem hielt SGB-Schlussmann Marius Sulzbach gut. Zwar führten die Gäste zwischenzeitlich mit 3:1, die Bruchköbeler glichen aber rasch wieder aus und gingen bald selbst in Führung.

Das lag vor allem daran, dass SGB-Kapitän Maximilian Kraushaar auch aus der Distanz traf. Ab Mitte der ersten Hälfte – die Schiedsrichter hatten zu diesem Zeitpunkt ohne Not bereits ein halbes Dutzend Zeitstrafen verteilt – erarbeiteten sich die Hanauer dank einiger Paraden von Sebastian Schermuly und den Tempogegenstößen einen 9:6 Vorsprung, woraufhin SGB-Coach Oliver Hubbert eine Auszeit nahm.

Nun drehte der Bruchköbeler Trainer an den richtigen Stellschrauben: Statt mit einer 6:0 Deckung verteidigten die Hausherren plötzlich mit Jonas Ulshöfer als Vorgezogen, der die gefährlichen Hanauer Rückraumschützen erfolgreich störte. Im Angriff kam Pjanic für Kraushaar und stand seinem Kapitän in puncto Torgefährlichkeit in nichts nach, denn auch der Neuzugang traf mehrmals sicher aus der zweiten Reihe. Den 9:9-Ausgleich der Bruchköbeler konterte die HSG zwar mit der erneuten Führung per Kempa Trick, kurz vor dem Pausenpfiff mussten die Gäste aber neben dem erneuten Ausgleich noch zwei Zeitstrafen hinnehmen.

Allerdings ging auch Bruchköbel schwer vorbelastet in die Kabine, denn mit Kraushaar und Jannik Hoffmann hatten zwei ganz wichtige Abwehrspieler bereits zwei Zeitstrafen erhalten und würden bei der nächsten Strafe auf der Tribüne Platz nehmen müssen. Nach dem Seitenwechsel erspielten sich die Bruchköbeler Vorteile und setzten sich zwischenzeitlich auf 16:13 ab. die HSG forcierte daraufhin aber wieder ihr Tempospiel und kam auf ein Tor heran.

Dann schickten die Unparteiischen Marc Strohl nach der dritten Zeitstufe mit der Roten Karte vom Feld,  was die Defensive der Hanauer in der Folge merklich destabilisierte. Da die HSG ihre schussgewaltigen Rückraumspieler gegen die 5:1-Abwehr der SGB kaum mehr in Szene setzen konnte und die Gastgeber im Gegennzug bei fast jedem Angriff trafen, schoss sich Bruchköbel
bis zehn Minuten vor Schluss einen Vier-Tore-Vorsprung heraus.

„Wir haben uns zu sehr mit den Entscheidungen der Schiedsrichter beschäftigt“, ärgerte sich Hanaus Coach Patrick Beer darüber, dass sein Team in dieser Phase völlig die spielerische Linie verlor, und auch im Tor der Hanauer lief wenig zusammen: Weder Schermuly noch der später für ihn eingewechselte Can Adanir brachten es im zweiten Durchgang auf eine nennenswerte Anzahl an Paraden.

Marius Sulzbach dagegen bot auf der Gegenseite eine durchgehend gute Leistung. Angetrieben vom zunehmend ekstatischem Publikum spielten sich seine Vorderleute in einen regelrechten Rausch: Sie verteidigten verbissen mit Mann und Maus. Zudem spielten sie in der Offensive jeden Angriff mit hundertprozentiger Konsequenz aus.

So verpufften auch die taktischen Maßnahmen von Beer, der in der Schlussphase offensiver verteidigen ließ – Bruchköbel zog immer weiter davon. Am Ende feierten die entfesselt auftretenden Hausherren im Hexenkessel Dreispitzhalle einen unerwartet deutlichen 32:24-Sieg über den Lokalrivalen.

„Das war heute ein wahrer Freitag der 13. für uns“, merkte Beer mit Blick auf die insgesamt schwache Leistung seiner Mannschaft an. „Unser hochgelobter Rückraum hat kaum getroffen und unsere Abwehrqualität konnten wir überhaupt nicht abrufen.“

SGB-Coach Hubbert hatte hingegen allen Grund zur Freude: „Unsere gesamte Mannschaft hat heute bis zur letzten Minute Willen und Kampfgeist gezeigt. Wichtig war allerding auch“, ergänzte der Bruchköbeler Trainer, „dass wir unsere Chancen genutzt haben – vor allem aus der Distanz. “

SG Bruchköbel: Mike Bätz, Marius Sulzbach, Sebastian Dietrich (4), Fatih Günes, Jonas Heuer, Jannik Hoffmann (3), Maximilian Kraushaar (10), Michael Nath (3/3), Edi Pjanic (5), Tegaday Ramus-Nuez, Jonas Ulshöfer (3), Yannik Woiwod (1), Maximilian Wolff, Sergej Zutic (3/1)

HSG Hanau: Can Adanir, Sebastian Schermuly, Maximilian Bergold (4), Kai Best, Marius Brüggemann (1), Björn Christoffel (6/1), Hannes Geist, Lucas Lorenz (4), Andreas Neumann (3/3), Patrick Pareigis, Yaron Pillmann (3), Jan-Eric Ritter (2), Eric Schaffler, Marc Strohl (1)

Schiedsrichter: Sakovski/Schneider – Siebenmeter: SGB 6/4 ,HSG 6/4 – Zeitstrafen: SGB 7 , HSG 7 – Besonderes Vorkommnis: Rote Karte für Marc Strohl (HSG, 41., dritte Zeitstrafe) – Zuschauer: 1000

 

 

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