09/17 Interview mit Maximilian Kraushaar

In dieser Woche werfen wir einen Blick auf unsere beiden neuen Rückraumspieler Maximilian Kraushaar und Jonas Ulshöfer. Die zwei zeichnen sich durch Sprunggewalt und Wurfgewalt aus, wobei die Aufgabe von Jonas mehr im Spielaufbau und der Ballverteilung liegen wird. Aber lassen wir unsere beiden Neuen selbst zu Wort kommen.
OH: Lieber Max oder Maxi…wie hast du es am Liebsten? Und wo ich gerade neugierig bin, was studierst du eigentlich in Gießen?
MK: Max oder Maxi, aber die meisten nennen mich Krausi, kannst du dir aussuchen Oliver oder Olli. Ich studiere Geographie und lerne nebenbei ein bisschen Spanisch an der Uni.
OH: Das interessiert mich, lass uns das Gespräch über Geographie führen. Nein, im Ernst, das erste Spiel der Saison hatte Höhen und Tiefen, bist du dennoch zufrieden? Die Zuschauer waren es auf jeden Fall sehr, besonders was das kämpferische angeht!
MK: Ich denke mit einem Punkt konnten wir nach dem Spielverlauf zufrieden sein. Natürlich hat noch nicht alles funktioniert, aber speziell in der 2. Halbzeit konnten wir uns deutlich steigern. Wir müssen von Spiel zu Spiel schauen und uns stetig weiterentwickeln. Wir haben viele neue Aufgaben und einige neue Spieler. Da muss sich noch einiges einspielen, was man am 1. Spieltag noch nicht erwarten kann. Die Atmosphäre in der Halle war geil, und in Kombination mit einer kämpferischen Einstellung, bin ich sicher, dass wir einige Mannschaften zu Hause ärgern können.
OH: Du bist als Neuzugang gleich unser neuer Kapitän. Ist das eine besondere Ehre für dich, oder ein Zeichen, dass du auf dem Spielfeld der verlängerte Arm des Trainers an der Seitenlinie bist?
MK: Natürlich ist das eine Ehre für mich. Ich habe mich sehr darüber gefreut und auch das Feedback aus der Mannschaft war sehr positiv. Ich trete in große Fußstapfen und will speziell Ante in der Abwehr als physischen und mentalen Ersatz maximal gut ersetzen. Ich versuche sowohl menschlich, als auch handballerisch meinen Aufgaben als Kapitän nachzukommen.
OH: Deine Qualitäten in der Abwehr sah man schon nach einem Spiel, wo siehst du im Angriff deine Stärken, Würfe aus der 2. Reihe, 1 gegen 1-Spiel, als Anspieler oder deine Flexibilität aus allem, immerhin bist du mit deiner Größe und deinem Gewicht ein extrem wendiger Spieler?
MK: Abwehr war schon immer meine Stärke. Auch in Hüttenberg und Friesenheim habe ich einen Großteil meiner Spielanteile in der Abwehr gehabt. Im Angriff fehlt mir definitiv noch die Routine. Nach den Kreuzbandrissen und einer Zeit von ca. 25 Monaten ohne Pflichtspiel muss sich da vieles erst einpendeln. Ich bin prinzipiell mit 1:1-Aktionen und den Anspielen zufrieden, jedoch arbeite ich akribisch daran, meine eigentlich Stärke – Würfe aus der 2. Reihe – wieder zurück zu gewinnen. Meine Verletzungen kamen bei Rückraumwürfen zustande. Ich merke aber, dass es stetig vorwärts geht und auch das Vertrauen in den Körper allmählich zurückkommt.
OH: Du bringst von allen unseren Neuzugängen die meiste Erfahrung mit, unter anderem schon zweimal den Aufstieg in die 1. Bundesliga mit zwei verschiedenen Vereinen. Wie groß waren deine Spielanteile an diesen Erfolgen?
MK: Wie bereits gesagt, war meine Zeit in Hüttenberg sehr von Verletzungen geprägt. In Friesenheim war ich noch um einiges jünger, habe dennoch oft das Vertrauen vom Trainer bekommen und kam zu genügend Spielanteilen, sowohl in Abwehr wie auch im Angriff. Ich habe dennoch immer meine Rolle in der Mannschaft gehabt und war, ich denke gerade auf menschlicher Basis, immer ein wichtiger Faktor.
OH: Dein größter Wunsch ist eine erfolgreiche aber vor allem verletzungsfreie Saison zu spielen, was wir dir alle von Herzen wünschen. Auch wenn es weh tut, kannst du noch mal ganz kurz unsere Leser aufklären, die das Drama deiner 25-monatigen Verletzungspause nicht kennen?
MK: Ich musste mich in der Vergangenheit bereits 5 Knieoperationen unterziehen. 2014 riss ich mir beim Saisonauftakt in Leipzig das Kreuzband. Nach Genesung kam es dann in Tschechien im Trainingslager zum 2. Kreuzbandriss. Aufgrund des geringen zeitlichen Abstands der Verletzungen waren „Zwischen-OPs“ notwendig, um Knochen etc. vorerst wieder zu stabilisieren. Ich bin dabei quer durch Deutschland gereist und hatte das Glück, von absoluten Topoperateuren behandelt zu werden. Genug damit, das ist Vergangenheit!
OH: Du hast Recht, bei der Vorgeschichte kann man verstehen, dass dein schönstes Handball-Erlebnis dein Comebackspiel im März diesen Jahres war. Wie hast du das selbst erlebt?
MK: Bei meinem Comebackspiel im März in der 2. Mannschaft war ich vor allem erstmal super nervös. Dennoch war absolute Gänsehaut angesagt und emotionales Chaos. Bei meinem ersten Tor hätte ich, glaube ich am liebsten einfach mal drauf losgeheult – habe mich dann bei meinen Jungs einfach in die Arme geworfen. Jeder der eine so lange Pause hatte, kann das vermutlich nachvollziehen. Zumal Pause relativ ist. Ich habe hunderte Einheiten mit meinem Reha-Trainer Peter Nagel gehabt, der vor allem auch menschlich eine enorme Stütze war. Reha macht nämlich keinen Spaß.
OH: Deine Hobbys sind das Reisen und Grillen, da möchte ich gerne wissen, welche Reise oder welches Land dich bisher am meisten beeindruckt hat und wie dir die SGB-Handball-Grillwurst bei der offiziellen Mannschaftsvorstellung geschmeckt hat?
MK: Die mit Sicherheit inspirierendsten Reisen waren dieses Jahr in den Iran und vor zwei Jahren nach Israel. Vor allem haben mich die Menschen auf eine ganz einzigartige Weise beeindruckt und hinterließen einen bleibenden Eindruck. Wenn man so ein Grill-Fan ist, dann schmeckt einem auch die offizielle SGB-Handball-Wurst. Wir hatten ja sogar das Glück, bei der interessanten Führung und der offiziellen Mannschaftsvorstellung, mitzubestimmen welche Wurst es wirklich wird. Ich denke, dass wir bei der Entscheidung alles richtig gemacht haben, da die Wurst echt lecker ist.
OH: Lieber Krausi, vielen Dank für deine ausführlichen und zum Teil sehr emotionalen Antworten. Ich hätte noch jede Menge Fragen gehabt, aber um dich erst einmal etwas kennen zu lernen, muss das heute reichen. Ich bin mir sicher, wir führen das Gespräch im Laufe der Saison fort. Jedenfalls freue ich mich schon darauf und natürlich ganz besonders auch den ersten Sieg in der 3. Liga mit dir und deinen Jungs zu feiern. Ihr habt es jetzt zweimal superknapp verpasst, aber vielleicht heißt es einfach: Alle guten Dinge sind…gegen Großsachsen drin!

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